Glaub' nicht, was in der Zeitung steht !)

Glaub‘ nicht, was in der Zeitung steht !)

Share this post by e-mail
You can enter up to five recipients. Seperate them with a comma.





The provided data in this form is only used to send the e-mail in your name. They will not be stored and not be distributed to any third party or used for marketing purposes.

Weil ich von mehreren Seiten darauf angesprochen wurde, stelle ich hier ein paar Fehler in einer sonst wohl ganz gut gemeinten Berichterstattung im aktuellen Biber klar:

Freeganes Leben ist nicht nur eine „kulinarische Eigenart“ sondern bedeutet viel mehr Umdenken, produktives Empowermentgegenseitige Unterstützung um wirtschaftliche Alternativen zu fördern.

Es geht nicht nur darum, „die von Supermärkten entsorgten Produkte herauszufischen“, sondern um Verantwortung für Handlungen und die damit unterstützten Strukturen.

Ich habe der freundlichen aber leider doch wohl etwas unerfahrenen Journalistin lange erzählt, was ganz konkret alles mit ganz einfachen Mitteln repariert & selbergemacht werden kann, wie defekte Dinge noch lange funktionsfähig bleiben, warum so viel Gutes im Müll landet, wie immer mehr Menschen verlernen, die Genießbarkeit von Lebensmitteln selbst einzuschätzen und noch vieles mehr. Ja, natürlich haben wir auch über das Befreien von Lebensmitteln aus dem Müll gesprochen.
Warum unser Gespräch jedoch dann dem ausgelutschten Klischee entsprechend nur darauf reduziert wurde, habe ich leider nie erfahren. Vielleicht liegt doch das alte konsumorientierte Denkmuster hinter der Vereinfachung, daß eben statt Gekauftem nur Weggeschmissenes konsumiert werde. Umdenkprozesse brauchen eben ihre Zeit.

Ich habe lange erzählt, wie ich immer schon lieber konstruktiv statt konsumierend verschiedenste kulinarische, bekleidungsmäßige oder auch caritative, ästethische, ethischemorbide & tabuisierte Themen anpackte. Ja, ich habe auch erzählt, wie ich schon als Kind lernen durfte zu nähen, zu kochen, zu backen, zu reparieren, mit Kräutern zu heilen, Möbel zu bauen, Bäume zu pflanzen und vor allem zu sparen. Müllvermeidung war in den Siebzigern leider noch kein Thema – selbstverständlich auch für mich nicht.
Vielleicht wurden meine Erzählungen mit den Plänen verwechselt, mit mehr Platz irgendwann möglichst überhaupt keinen Müll mehr zu machen. Wer die Selbermacherei kennt, weiß natürlich, daß dies kein Traum, sondern ein ganz konkretes Projekt mit lange ausgereiften Konzepten ist, das es schon viel länger gibt als die meisten Projekte in diesem Bereich.
Und wer schon öfters im Cafe Hoog war, weiß auch, daß der Kühlschrank hier nie richtig leer ist. (Ihr könnt also jederzeit kommen und am freeganen Überfluß teilhaben.)

Das schlimmste Mißverständnis ist aber, daß die Selbermacherei nichts boykottieren will. Wir fördern lieber Handlungsalternativen & Diversität – also Vielfalt an Lebensweisen. Wir sind lieber für als gegen etwas. Nur auf den Kapitalismus zu schimpfen, ohne Alternativen zu leben, ist Zeit-, Energie- und damit Ressourcenverschwendung.
Klischees sind keine Lösungen. Geld ist nicht böse sondern als letzte Alternative immer wieder mal ganz praktisch. Banken als Orte, an denen die einen den anderen ihr Geld für wichtige Investitionen borgen, oder auch Kaufhäuser, in denen wir besorgen, was wir dringend brauchen und selber nicht herstellen können, sind eine wichtige kulturelle Errungenschaft. Selbst Zinsen sind in gemäßigter Form als Inflationsausgleich wohl sinnvoll. Es kommt nur darauf an, was wir aus all dem machen.
Ja, wir sehen die kurzsichtigen, gewinnfetischistischen, ausbeuterischen wirtschaftlichen Irrwege sehr kritisch und wollen der so weit verbreiteten Konsumsucht einen Ausweg bieten.
Freeganes Handeln ist eigentlich auch nichts neues sondern entspricht einer ganz alten wirtschaftlichen Maxime: Der Sparsamkeit an Energie & Ressourcen – und damit auch an Geld. Diese Sparsamkeit wird nur in für heutige Zeit ungewohnt konsequenter Weise umgesetzt. Einer Konsequenz, zu der uns der Zustand unserer Erde schon seit Jahrzehnten dringend auffordert. Und einer Konsequenz, die uns auch ungewohnte Freiheiten bringt, um noch mehr Gutes zu tun.
Doch anfangen könnt Ihr auch mal mit kleinen Schritten:
Was will ich wirklich?
Braucht das irgendjemand anderer nicht mehr?
Kann ich mir das irgendwie umbauen, reparieren, selbermachen?
Bekomme ich es geborgt, geteilt oder gebraucht?
Brauchst es wer anderer dringender?

Mach‘ mit !)